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Apr 26 2011

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Jaaa, er lebt noch…!

So, nach sehr, sehr langer Pause nun endlich mal wieder ein Lebenszeichen. Für die lange Funkstille möchte ich mich entschuldigen, aber hier war einfach so viel zu erledigen, dass ich irgendwie nie die Zeit gefunden habe, mich mal hinzusetzen (so wie jetzt), um einen Blog-Eintrag zu schreiben. Dass ich jetzt gerade Zeit dafür habe, ist der japanischen Effizienz zu verdanken, die mir eine länger als geplante Mittagspause eingebracht hat.

Vielleicht fange ich gleich damit an: Ich habe mich nämlich hier an der Uni zum Japanischunterricht angemeldet – man will sich ja weiterentwickeln… Um herauszufinden, in welche der verschiedenen Stufen ich passe, fand letzte Woche ein Einstufungstest statt. Wie alles in Japan (oder jedenfalls hier an der Uni) sehr professionell und generalstabsmäßig aufgezogen das Ganze. Die Uni hat da ein recht cleveres, mehrstufigs Testprogramm entwickelt: Zunächst wird man um eine Selbsteinschätzung gebeten, aufgrund derer man dann einige Testfragen präsentiert bekommt, die wohl in etwa dem Level entsprechen, in das man sich selber gesetzt hätte. Basierend auf dem Ergebnis dieses Tests werden dann Fragen aus anderen Levels gestellt, um sich langsam der „Wahrheit“ anzunähern. Offenbar war es bei mir nicht so einfach, diese „Wahrheit“ herauszufinden, jedenfalls hat sich der Test bei mir über insgesamt zweieinhalb Stunden hingezogen. Ich könnte mir vorstellen, dass das was mit dem recht heterogenen Kenntnisstand meinerseits in den unterschiedlichen Teilen der japanischen Sprache zu tun hat. Während mein Hörverständnis bei Alltagskonversationen halbwegs gut ist, ist mein Leseverständnis bei etwas komplizierteren Texten recht gering. Und auch zu schnell gesprochenes Japansich macht mir immer noch Probleme. Grammatik ist so Mittelmaß, aber wohl definitiv besser als mein Vokabular. Das merke ich auch jeden Tag im Gespräch oder im Unterrich hier an der Uni: Ich verstehe die grammatikalischen Konstruktionen, aber da mir der Wortschatz fehlt, weiß ich trotzdem nicht, worum es geht. Daran muss ich also definitiv arbeiten! Die zweite große Baustelle sind auf jeden Fall Kanji (also die chinesischen Schriftzeichen, die im Japanischen verwendet werden – das was Japanisch so kompliziert aussehen lässt…) – auch hier besteht massiver Lernbedarf. Ich bin zwar schon fleißig dabei, mit Anki auf dem iPhone und der Heisig-Mehode zu lernen, aber ich denke mal, ich werde trotzdem einen der Kanji-Intensivkurse hier an der Uni besuchen – die sollen ausgezeichnet sein.

Wo wir schon beim Thema „Uni“ sind: Jetzt nach gut zwei Wochen fühle ich mich halbwegs angekommen und ich verstehe auch so allmählich, was hier so um mich herum passiert. Die größten Probleme sind eigentlich nach wie vor die vielen Leute, deren Namen ich mir immer noch nicht merken kann, und natürlich die Sprache. Obwohl die Uni Tsukuba und auch mein Programm damit werben, besonders international zu sein, hat bisher 90% von all dem, was irgendwie mit der Uni zu tun hat, auf Japanisch, und zwar ausschließlich auf Japanisch stattgefunden. Das hat schon angefangen mit den Bewerbungsunterlagen: 88 Seiten japanischer Formulare mit japanischer Erklärung. Und wer schon mal ein japanisches Formular gesehen hat oder in der Verlegenheit war, eines ausfüllen zu müssen, weiß, dass das grundlegend anders von Statten geht, als zum Beispiel bei deutschen Formularen. Das geht los bei Kleinigkeiten wie: Auswahlkästchen werden nicht angekreuzt, sondern angehakt; und setzt sich fort in der Notwendigkeit, lateinische Buchstaben in der Form zu verwenden, wie wir es vor vielen vielen Jahren in der Grundschule gelernt haben. (Es ist nicht einfach, Beispiele im Internet zu finden, aber dieses PDF hier wäre wohl zum Üben vor jedem Japanaufenthalt zu empfehlen…)

Abgesehen von den sprachlichen Problemen fühle ich mich hier am Institut aber sehr wohl. Die Leute sind ausgesprochen nett und hilfsbereit (außer es geht um die Übersetzung irgendeines japanischen Textes…). Obwohl ich Doktorand bin muss ich in meinem ersten Jahr einige Kurse besuchen – ich denke aber, das schadet nicht. Beispielsweise der Kurs „Einführung in GIS“ ist inhaltlich zwar nicht mehr wirklich spannend für mich, dafür aber als Sprachübung allgemein und zum Lernen GIS-spezifischer Fachbegriffe im Besonderen sehr praktisch und hilfreich. Wenn er nur nicht morgens um 8:40 Uhr anfangen würde…

Wer mich kennt weiß, dass ich kein wirklicher Morgen-Mensch bin. 8:40 Uhr ist also generell schon früh für mich. Da wir aber recht weit weg von der Uni wohnen, muss ich nochmal ein ganzes Stück früher raus, und das ist wirklich nix für mich. Von Haustür zu Institutstür sind es so 1:20 bis 1:30 Stunden. Das hängt im wesentlichen davon ab, ob ich einen Expresszug erwische (hält unterwegs nur dreimal) oder nicht (hält zehnmal).

So, das muss jetzt erstmal wieder reichen – die Arbeit ruft! Aber diesmal werde ich mich schneller wieder melden – versprochen. Ich habe da so einige Themen im Kopf, von denen ich gerne erzählen möchte, unter anderem auch eine kurze Vorstellung unserer Wohnung, dann natürlich wieder als Video…

またね、
Konni

P.S: „またね“ ist (wer hätte das gedacht?!) Japanisch und bedeutet „bis dann“ oder „Tschö“.

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