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Jun 21 2011

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Sprachliche Feinheiten – Teil 1

Ich bin mir absolut sicher, dass diese Serie sowas wie die Telenovela unter meinen Blog-Artikeln werden wird. Naja, Telenovelas haben irgendwann ein fixes Ende (habe ich gehört…), also eher eine Daily Soap? Aber täglich…? Mir begegnen zwar täglich Sachen, die in diese Serie passen würden, aber mir fehlt meistens die Zeit, das dann hier niederzuschreiben. Mal sehen, vielleicht entscheide ich mich ja, diese Artikel eher kurz zu halten, und dann dafür öfter einen zu schreiben.

Worum geht’s? Es geht um Sprache. Und zwar, wie unschwer zu erraten sein dürfte, um die japanische Sprache. Noch befinde ich mich im Status des Erlernens selbiger, aber ich kann inzwischen von mir behaupten (ganz un-japanisches Eigenlob), ein gewisses Level erreicht zu haben, das es mir erlaubt, so manche Feinheit dieser wunderbaren (<- ernstgemeint!) Sprache zu entdecken und auch zu verstehen. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit diese Serie für meine des Japanischen gar nicht oder nicht ausreichend mächtigen Leser interessant ist, aber möglicherweise kann ich ja auf diesem Weg auch das Interesse am Erlernen der Sprache wecken...
Heute beispielsweise habe ich den feinen Unterschied beim Beschreiben von Auswahlmöglichkeiten gelernt (und zunächst auch mal verstanden). Es geht konkret um den kleinen aber feinen Unterschied zwischen folgenden Formulierungen:

(1) 何でもいいです。 Nan de mo ii desu.
(2) どれでもいいです。 Dore de mo ii desu.
(3) どちらでもいいです。 Dochira de mo ii desu.

Prinzipiell lassen sich alle drei mit „Ist mir ist egal.“ übersetzen. Beispielweise als Antwort auf die folgende Frage:

F: 何食べたいですか。 Nani tabetai desu ka?

Das bedeutet „Was möchtest du essen?“. Mit welcher der drei o.g. Antworten man nun darauf reagiert hängt (wie so vieles im Japanischen) von der Situation ab:

  • Sitzen wir beispielsweise in einem Restaurant, das zwei Mittagsmenüs anbietet (in Japan eine alltägliche Situation), dann wäre Antwort 3 richtig.
  • Sitzen wir dagegen in einem Restaurant, das eine zwar begrenzte aber dennoch ausreichend große Auswahl an Gerichten verfügt, wäre Antwort 2 richtig.
  • Und falls die Speisekarte unüberschaubar groß ist, oder wir beispielsweise ganz allgemein gefragt werden, auf was wir denn gerade so Appetit hätten, wäre wiederum Antwort 1 korrekt.

OK, das war’s für diesen Artikel…

Nein – selbstverständlich liefere ich auch noch die Erklärung, sonst wäre die ganze Serie ja umsonst!

Der Unterschied, bzw. das Auswahlkriterium liegt also in der Menge der verfügbaren Möglichkeiten:
「どちら」 (dochira) bedeutet ganz klar eine Auswahl zwischen zwei möglichen Alternativen: A oder B. Entweder, oder.
「どれ」 (dore) hingegen wird verwendet, wenn die Zahl der Auswahlmöglichkeiten mindestens drei oder mehr ist.
「何/なん」 (nan), und hier wird’s jetzt ein bisschen kompliziert bzw. willkürlich, wird dann verwendet, wenn die Zahl der Auswahlmöglichkeiten unbegrenzt (wie im Falle der Frage „Was willst du essen?“) oder jedenfalls annähernd undefinierbar groß ist (wie im Falle eines Restaurants mit einer 20-seitigen Speisekarte).

So weit alles klar? Wo aber nun genau die Grenze zwischen 「どれ」 (dore) und 「何/なん」 (nan) liegt, ist unklar beziehungsweise nicht definiert. Das ist so ähnlich wie die (recht philospohische) Frage, ab wann eine ungeordnete Menge Strohhalme als Heuhaufen bezeichnet werden kann. Oder umgekehrt: Wenn ich einen Heuhaufen vor mir habe, ab dem wievielten weggenommenen Strohhalm hört der Heuhaufen auf, ein Heuhaufen zu sein…?

In diesem Sinne, allen Japanisch Lernenden auch weiterhin viel Spaß und viel Erfolg! みんな頑張ろう! (minna ganbarō – Viel Erfolg (uns) allen!)

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://blog.nihonnikonni.com/2011/06/21/sprachliche-feinheiten-teil-1/

2 Kommentare

  1. Tobias

    Konni, Konni, Konni… da es hier ja laut Überschrift um Feinheiten geht: egal wie viele Strohhalme du hast, und wenn es alle dieser Welt sind, wirst du nie einen Heuhaufen bekommen 🙂 http://de.wikipedia.org/wiki/Stroh != http://de.wikipedia.org/wiki/Heu

    1. Konni

      „Heuhalm“ klingt aber genauso doof wie „Strohhaufen“. Und überhaupt: Wikipedia hat auch nicht immer recht.
      Trotzdem danke für den Hinweis…

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