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Sep 06 2011

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Sprachliche Feinheiten – Teil 2

Na, aus dem vermeintlichen Dauerbrenner über die kleinen und feinen Aspekte der japanischen Sprache ist ja bisher erstmal nichts geworden. Das liegt natürlich nicht an mangelndem Interesse oder gar daran, dass mir der Stoff ausgegangen ist, sondern einfach daran, dass ich in den letzten Wochen und Monaten extrem beschäftigt war (und bin) und deshalb generell nicht dazu komme, hier viel zu schreiben. Außer ein paar vereinzelten Kurzkritiken zu Getränken…

Aber heute habe ich dann doch mal fünf Minuten, um eine weitere Besonderheit des Japanischen vorzustellen: Es geht um’s Anziehen. Kein großes Ding, mag man meinen. Im Deutschen zieht man Hosen an, Hemden, Kleider, Röcke, Unterwäsche, … die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Interessanter wird es da schon bei Brillen und Hüten, die werden nämlich nicht angezogen sondern aufgesetzt.

Im Japanischen gibt es dagegen eine Vielzahl an Verben, die das Anziehen von Kleidungsstücken beschreiben:

  • 着る (きる, kiru) bedeutet „anziehen“, wird aber nur für Kleidungsstücke des Oberkörpers verwendet. Also Sachen, die man entweder über den Kopf stülpt oder wo man die Arme durchsteckt. Beispiele: Hemden, Blusen, Pullover, Jacketts, Mäntel.
  • 履く und 穿く (beides はく, haku, letzteres wird aber so gut wie nie in Kanji geschrieben) bedeuten ebenfalls „anziehen“, werden allerdings nur für Kleidungsstücke im unteren Teil des Körpers verwendet. Aber die beiden unterscheiden sich auch nochmal! Für alles, wo man die Beine durchsteckt (Beispiele: Hosen, Röcke, Unterhosen) wird die erste Schreibweise verwendet, für alles, wo man die Füße reinsteckt (Beispiele: Socken, Schuhe) die zweite (meist in Hiragana).
  • Für Anzüge, die ja sowohl aus einer Hose als auch einem Jackett bestehen, wird übrigens 着る (きる, kiru) verwendet.
  • 被る (かぶる, kaburu) bedeutet „aufsetzen“ und wird für alles verwendet, was man … naja, eben auf den Kopf draufsetzt. Beispiele: Hüte, Mützen, Perücken.
  • かける (kakeru) bedeutet wörtlich „herabhängen“ und wird für Brillen verwendet.
  • 巻く (まく, maku) bedeutet „umwickeln“ und wird in der Folge logischerweise für Schals, Krawatten und Halsketten verwendet. Das ist übrigens das gleiche Wort, von dem der Name der in Deutschland so beliebten Sushi-Form „Maki“ herrührt – klar, die sind ja auch gewickelt, und zwar in in Blatt 海苔 (nori – Nori).
  • 羽織る (はおる, haoru) finde ich persönlich toll, weil es ein gutes Beispiel dafür ist, dass Kanji zwar kompliziert aussehen (und es auch lange dauert, sie zu erlernen), sie aber absolut Sinn machen. Das Wort selbst bedeutet „hereinschlüpfen“ und wird für Kleidungsstücke verwendet, die man über etwas anderes drüberzieht. Beispiele: Mäntel, Jaketts und dergleichen. Die Kanji bedeuten „Feder“ und „weben/gewobenes Objekt“ – denke da nur ich an einen flauschigen Wintermantel?
  • はめる (hameru, meines Wissens überwiegend in Hiragana verwendet, aber es gibt auch zwei Kanji-Variationen: 填める und 嵌める) bedeutet wörtlich „stecken/einfügen“ und wird demzufolge für Dinge verwendet, in oder durch die man seine Finger steckt. Beispiele: Ringe, Handschuhe.
  • つける (tsukeru, in der Regel in Hiragana, es gibt aber auch eine Kanji-Schreibweise: 付ける) bedeutet wörtlich „festmachen/anbringen“. Es kann relativ vielfältig und auch als Ersatz für andere zuvor genannte Verben eingesetzt werden, meist wenn irgendetwas befestigt oder geschlossen wird. Beispiele: Krawatten, Hüte, Perücken, Haaraccessoires, Kopfhörer (OK, kein Kleidungsstück im eigentlichen Sinn), Masken, Ringe, Handschuhe, BHs, Parfüm.
  • Und dann gibt es da natürlich noch das universelle する (suru), das wohl am vielfältigsten einsetzbare Verb der japanischen Sprache. Es bedeutet in der Regel „sein“ oder „tun“, in unserem Kleidungs-Zusammenhang aber eher „aufsetzen, anbringen, umbinden“ und dergleichen. Es kann als Ersatz für fast alle oben genannten Verben verwendet werden, außer den beiden „großen“ 着る (きる, kiru) und 履く (はく, haku), klingt dann aber schon ziemlich umgangssprachlich.

Make-up is übrigens noch mal eine Wissenschaft für sich. Also nicht das Auftragen des Make-ups, obwohl das wohl auch nicht trivial ist, sondern die Verwendung des jeweils korrekten Verbs.

Und nach so vielen westlichen Klamotten noch was Japanisches zum Abschluss: Für Kimonos wird 着る (きる, kiru) verwendet. Das „ki“ im Wort „Kimono“ ist übrigens das „ki“ aus „kiru“, was aus den Kanji für „Kimono“ ersichtlich wird: 着物 (きもの, kimono). Wörtlich bedeuten diese beiden Zeichen „tragen/kleiden“ und „Sache“. Japanisch kann so logisch sein…

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