«

»

Nov 12 2011

Beitrag drucken

Herbst im Zug

Weil mir heute nichts besseres einfällt, ich aber an meinem selbstgesteckten Ziel eines täglichen Artikels festhalten will, hier noch zwei Fundstücke aus dem Zug (einmal Tsukuba Express, einmal Tōkyō Metro), mit Herbst-BeZug.

Dieses Plakat ist mir als Freund von Wortspielen (Japan ist mein Paradies!) sofort aufgefallen. Der Text lautet „パ ワー アップ る“. Die ersten drei Äpfel Satzteile zusammen sind feinstes Japanglish für „power up“, also „Mehr Energie“. So etwa?

Das „る“ hat für sich genommen keinerlei Bedeutung, bildet aber (festhalten, jetzt wird’s lustig!) zusammen mit dem „アップ“ aus dem Satzteil davor das Wort „アップル“, was wiederum Japanglish für „apple“, also Apfel ist. Also lautet die Botschaft im Klartext: Esst Äpfel, um gesund zu bleiben. Das auch als Nachtrag zu meiner kürzlich getroffenen Aussage, dass Äpfel derzeit das öffentliche Leben dominieren.

Hier wird’s schon etwas ernsthafter, dafür findet sich auf dem Plakat aber auch genug Lesestoff für eine längere U-Bahnfahrt. Thema auch hier: Gesundheit. Schließlich steuern wir unaufhaltsam auf den Winter zu, also Erkältungs- und Grippezeit, und die Krankheitsfälle häufen sich. Das merkt man in Japan nicht etwa daran, dass keiner mehr ins Büro kommt (in Japan geht man nämlich auch krank zur Arbeit…), sondern an der zunehmenden Zahl maskierter Menschen, die einem begegnen.

Das Plakat trägt demzufolge auch die Überschrift „インフルエンザに予防の一手“ (infuruensa-ni yobō-no itte – Maßnahmen zur Grippe-Prävention), und verkündet dann weiter „みんなで備えて、みんなで防ぐ“ (minna-de sonaete, minna-de fusegu – Wenn wir alle aufpassen, können wir uns alle schützen). Das Ganze ist übrigens eine Aktion der Stadtverwaltung Tōkyō, wie an dem grünen Logo rechts unten zu erkennen ist.

Der linke Kasten mit der Überschrift „正しい手洗いの方法“ (tadashī tearai-no hōhō) erklärt, wie man sich die Hände richtig wäscht. Eigentlich keine dumme Sache, wenn ich mir manchmal anschaue, wie hier in Japan nach dem Klo die Hände „gewaschen“ werden – da sind sich Japan und Deutschland sehr ähnlich…

Rechts daneben wird unter der Überschrift „咳工チケットのすすめ“ (sekikō chiketto-no susume) erklärt, wie man richtig (i.e. sozialverträglich) hustet:

  1. Wenn man Husten oder anderweitiges Unwohlsein im Hals verspürt solle man am Besten eine Maske tragen.
  2. Wenn man dann doch mal ohne Maske husten muss, solle man den Mund mit einem Taschentuch o.ä. bedecken, und nach Möglichkeit von anderen Menschen wegdrehen. Speziell letzteres ist natürlich eine Killer-Idee in einem japanisch-vollen Zug…
  3. Im Falle eine plötzlichen Hustens (also wenn man nichts mehr zum o.g. Bedecken des Mundes finden kann) solle man in den Ellbogen (bevozugtermaßen den eigenen, Anm. des Autors) husten, schneuzen oder niesen.

Auch wenn ich das mit meiner Übersetzung vielleicht ein bisschen lächerlich habe klingen lassen: Ich finde es absolut begrüßenswert, derlei Informationen, so grundlegend sie auch sein mögen, der Öffentlichkeit immer wieder in Erinnerung zu rufen. Ich denke da beispielsweise an Massenmedien wie der BILD, die solche Sachen einfach (bebildert?) einer breiten Masse zugänglich machen könnte. Aber da würden sich in Deutschland bestimmt viele bevormundet fühlen…

Naja, ich werde jedenfalls fleissig in meine Taschentücher und Ellbogen husten und niesen. Achso halt – ich werde ja nicht krank!

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://blog.nihonnikonni.com/2011/11/12/herbst-im-zug/

2 Kommentare

  1. obi

    Gehst du auch Krank zur Uni / Arbeit ? :O Oder hat man da den Ganji-Bonus ?

    Bei uns in der Uni gibts btw. auch ähnliche Plakate das man sich ordentlich die Hände waschen soll etc.

    1. Konni

      Bisher war ich zum Glück noch nicht so richtig krank. Wenn ich mich allerdings gar nicht danach fühlen würde, würde ich mich vermutlich auf den besagten Gaijin-Bonus berufen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.