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Nov 15 2011

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Sprachliche Feinheiten – Teil 3

Leider haben unter dem Stress der vergangenen Wochen auch meine Studien der Japanischen Sprache erheblich gelitten. Mit meinen Kanji bin ich mittlerweile so massiv in Verzug, dass ich schon das selbstgesteckte Ziel in Frage stellen muss, bis Ende des Jahres alle 2.136 Jōyō-Kanji (jap. 常用漢字) zu erlernen – jedenfalls Bedeutung und Schreibweise, die Lesungen kommen dann in einem nächsten Schritt (ich muss hier wirklich bald mal die Heisig-Methode erklären…).

Aber jetzt habe ich ja, wie gesagt, wieder Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, und deswegen natürlich auch mit vollem Eifer meine Sprachstudien aufgenommen.

Diesmal möchte ich über den feinen Unterschied zwischen 〜ために (tameni) und 〜ように (yōni) sprechen. Beides lässt sich mit „um zu“ oder „zu dem Zweck, dass“ übersetzen. Aber natürlich (natürlich!) lassen sie sich nicht beliebig austauschen, sondern haben einen kleinen aber feinen Unterschied.

Grammatikalisch sieht das so aus:
{Satz 1} ために {Satz 2}
beziehungsweise
{Satz 1} ように {Satz 2}

Übersetzt also:
{Satz 2}, um zu {Satz 1} (man beachte die andere Satzstellung)

Beispiele gefällig?

お金を集めるためにコンサートをした。
おかね を あつめる ために コンサート を した。
Okane-wo atsumeru tameni konsāto-wo shita.
Um Geld zu sammeln, haben wir ein Konzert veranstaltet. (Oder in besserem Deutsch: Wir haben ein Konzert veranstaltet, um Geld zu sammeln.)

忘れないようにノートに書いた。
わすれない ように ノート に かいた。
Wasurenai yōni nōto-ni kaita.
Um es nicht zu vergessen, habe ich es in meinen Notizblock geschrieben. (Oder wiederum in besserem Deutsch: Ich habe es in meinen Notizblock geschrieben, um es nicht zu vergessen.)

Aber waurm wird nun einmal ために und einmal ように verwendet?

ために wird nur im Zusammenhang mit Verben verwendet, die beschreiben, was der Sprecher selber direkt beeinflussen kann, sogenannte 「する」動詞 („suru“-dōshi – „tun“-Verben). Im Gegensatz dazu gibt es auch Verben, deren Bedeutung außerhalb des Einflussbereichs des Sprechers liegen, die sogenannten 「なる」動詞 („naru“-dōshi – „werden“-Verben), hier wird dann ように verwendet. Außerdem wird ように auch im Zusammenhang mit der Potentialform (jap. 可能形 – kanōkei) und negativen Verbformen. Ein weiterer Sonderfall sind noch Sätze mit unterschiedlichem Subjekt in Satz1 und Satz2 – klar, hier liegen die Aktionen von Subjekt2 ja auch außerhalb des Einflussbereichs von Subjekt1.

Im ersten Beispiel also liegt das Veranstalten des Konzertes im Einflussbereich des Sprechers, daher „ために“. Im zweiten Satz dagegen liegt das Nicht-Vergessen außerhalb dessen, was der Sprecher beeinflussen kann, daher kommt „ように“ zum Einsatz.

Aber genau das ist der Punkt, an dem es etwas schwierig wird. Ich persönlich finde ja, durch die Entscheidung, es aufzuschreiben um es eben nicht zu vergessen, hat der Sprecher aktiv darauf hingewirkt, es nicht zu vergessen. Dagegen lässt sich aber auch anführen, dass er es trotz des Aufschreibens vergessen kann – das Aufschreiben alleine stellt also nicht sicher, dass er sich erinnert. Sehr abstrakt…

Hier noch ein paar Beispiele, die auch Details über die restliche grammatikalische Konstruktion von ために und ように verraten:

Beispiel 1:

日本語の新聞読めるように漢字を勉強します。
にほんご の しんぶん よめる ように かんじ を べんきょう します。
Nihongo-no shinbun yomeru yōni kanji-wo benkyō shimasu.
Ich lerne Kanji, um japanische Zeitungen lesen zu können.

aber

日本語の新聞を読むために漢字を勉強します。
にほんご の しんぶん を よめ ために かんじ を べんきょう します。
Nihongo-no shinbun-wo yomu tameni kanji wo benkyō shimasu.
Ich lerne Kanji, um japanische Zeitungen lesen zu können.

Und warum? Die Bedeutung ist ja absolut identisch… Es liegt an der Verwendung der Potentialform „読める“ im ersten Satz – nach Potentialform steht immer „ように“.

Beispiel 2:

部屋をあたたくするためにエアコンをつけます。
へや を あたたく する ために エアコン を つける。
Heya-wo atataku suru tameni eakon-wo tsukeru.
Um das Zimmer zu heizen, schalte ich die Klimaanage an. (Ja, in Japan wird per Klimaanlage geheizt…)

aber

部屋をあたたくなるようにエアコンをつけます。
へや を あたたく なる ように エアコン をつけます。
Heya-wo atataku naru yōni eakon-wo tsukemasu.
Damit das Zimmer warm wird, schalte ich die Klimaanlage an.

Grund hier? Der Unterschied zwischen „あたたくする“ (atataku suru – warm machen, aufheizen) und „あたたくなる“ (atataku naru – warm werden).

Beispiel 3:

入学試験に合格するために毎日勉強します。
にゅうがくしけん に ごうかく する ために まいにち べんきょう します。
Nyūgaku-shiken-ni gōkaku suru tameni manichi benkyō shimasu.
Ich lerne jeden Tag, damit ich den Uni-Zulassungstest bestehe.

aber

入学試験に合格なるように毎日勉強します。
にゅうがくしけん に ごうかく なる ように まいにち べんきょう します。
Nyūgaku-shiken-ni gōkaku naru yōni manichi benkyō shimasu.
Ich lerne jeden Tag, damit ich den Uni-Zulassungstest bestehen kann.

Im zweiten Fall handelt es sich wieder um ein なる動詞 („werden“-Verb) gegenüber dem する動詞 („tun“-Verb) im ersten Satz. Es geht im zweiten Satz darum, in die Lage versetzt zu werden beziehungsweise fähig zu werden, den Test zu bestehen – wie auch immer. Der erste Satz dagegen spricht ganz explizit davon, sich selbst in die Lage zu versetzen. Dass beides durch die gleiche Maßnahme, nämlich tägliches Lernen, erreicht werden soll, spielt dabei grammatikalisch keine Rolle.

Japanische Grammatik ist nicht immer 100%-ig logisch… Leider. Das Gute ist aber, dass man auch im Japanischen irgendwann an diesen faszinierenden Punkt kommt, wo man einfach intuitiv weiß, welche Form richtig ist, beziehungsweise man hört, ob etwas richtig oder falsch ist, auch ohne die dazugehörigen Regeln explizit im Kopf zu haben.

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5 Kommentare

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  1. Felix

    Ein weiterer super Bericht der mir ganz klar zeigt, dass ich nie japanisch sprechen, geschweige den Lesen oder Schreiben werde…. 😉 (arme Okasan..)

  2. Silvia

    Faszinierend. Ich verwende tame ni und you ni nach Gespür, allerdings immer wie im ersten von dir genannten Punkt. Die anderen waren mir neu. Wie ich durch den 2-kyuu durchgerutscht bin ohne Gramatik zu pauken ist mir immer noch ein Rätsel 🙂

  3. Rose

    uuh.. lass uns zusammentun! Ich kämpfe mich auch grade durch den Heisig..
    Hatte das gleiche Ziel und muss es nun auch weiter nach hinten verschieben. Realistisch gedacht, werde ich wohl gegen März mit allem plus Lesungen durch sein.

    Hast du irgendeine Methode zum wiederholen und einprägen ins Langzeitgedächtnis?
    Ich kämpfe momentan mit dem Programm „Phase 6“. Bin mir noch nicht sooo sicher, ob es das richtige für mich ist – aber den Versuch ist es wert.

    strebe den 2-kyuu zum Winter des nächsten Jahres an, im Sommer mache ich wohl den 5-kyuu als test wie das ganze so abläuft..

    1. Konni

      In Ordnung, lass‘ uns den 2級 (eigentlich ja N2級) gemeinsam angehen. Da steht aber dem Durcharbeiten des ersten Heisig-Buchs noch das Lernen der Lesungen (s. zweites Heisig-Buch), sowie (jedenfalls bei mir) noch einiges an Grammatik und Vokabeln an… Ich habe anno 2004 den (damals noch alten) 4級 gemacht – der war aber wirklich einfach. Ich empfehle dir daher angesichts deiner Vorkenntnisse lieber beim N4級 einzusteigen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die niedrigen Levels im Sommer ueberhaupt angeboten werden…

      Als Lernprogramm kann ich dir Anki empfehlen. Das gibt es sowohl fuer Windows als auch fuer Mac und auch fuer’s iPhone. Ist ein sogenanntes „SRS“-Programm, das steht fuer „spaced repitition system“ und ist sowas wie die digitale Version des guten alten Karteikastens. Wenn die Karte richtig beantwortet wurde kommt sie ein Kaestchen nach oben, wenn falsch, eins nach unten. Das ganze wird im Falle von Anki noch durch einen ausgefeilten (und wissenschaftlich ermittelten) Algorithmus unterfuettert, der dir die „Karte“ genau dann zeigt, wenn dein Gehirn dazu tendiert, sie wieder zu vergessen. Sehr interessanter Ansatz, und es funktioniert in meinem Fall ausgezeichnet! (Geht uebrigens nicht nur fuer Kanji sondern fuer alles andere auch!)
      Website: http://ankisrs.net/

      1. Rose

        klingt super!
        mit Anki hatte ich vor geraumer Zeit mal angefangen als es noch kostenlos war ~.~
        Phase 6 funktioniert nach dem gleichen Prinzip, nur dass man dort Inhalte und Sets von anderen nicht einfach herunterladen kann – es muss alles selber eingegeben werden. *seufz*

        Beim ersten Test geht es mir mehr um das Prinzip. Es ist einfacher, die Strukturen zu verstehen die hinter einem solchen Test stecken und sich dann entsprechend darauf vorzubereiten.

        Eine gute Freundin von mir hat heute z.B. den 5-kyuu gemacht und meinte, dass es ihr wahnsinnig schwer gefallen sei.
        Das möchte ich bei mir verhindern und somit erstmal reinschnuppern bevor ich irgendetwas komplett vergeige 😀

        puuh.. heißt dann wohl wieder regelmäßige Lernzeiten einzuführen bei mir.. Hintern hoch und los!

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