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Jan 05 2012

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2011 -> 2012 – Teil 2

OK, es hat doch etwas länger gedauert, bis ich mich endlich hingesetzt habe, um diesen Artikel fortzusetzen… Heute aber nun wie versprochen der zweite Teil der Mini-Serie über Neujahr in Japan.

初詣 (はつもうで – hatsumōde): Der erste Schrein-Besuch im neuen Jahr
Davon gibt es zwei Varianten: Entweder gleich um Mitternacht oder dann irgendwann im Laufe der ersten Tage des neuen Jahrs (bevorzugt aber noch am 1.1.). Wir haben uns kurz vor Mitternacht zum kleinen Schrein um die Ecke aufgemacht, um uns dort im Endeffekt fast eine Stunde anzustellen, die Glocke zu läuten, und uns etwas für’s neue Jahr zu wünschen. Danach gab es dann als „Entschädigung“ allerdings sowohl einen Schluck お酒 (おさけ – o-sake – Sake) sowie einen Becher heißen 甘酒 (あまざけ – amazake – Amazake). Dabei handelt es sich um ein leckeres Getränk aus Saketrester und Wasser, das sehr süß ist, allerdings kaum Alkohol enthält – ideal im Winter! Eine kleine Lostrommel gab es auch noch, bei der als Hauptpreis ein Rettich hätte gewonnen werden können, wir mussten uns aber mit Nüsschen als Trostpreis zufriedengeben.

初日の出 (はつひので – hatsu-hinode): Erster Sonnenaufgang des Jahres
Ein Weg, das neue Jahr zu beginnen ist, irgendwo an einen schönen Ort zu fahren, um dort den ersten Sonnenaufgang zu genießen. Klingt kalt, deswegen haben wir das lieber ausfallen lassen. Unsere Wahl fiel stattdessen auf…

寝正月 (ねしょうがつ – ne-shōgatsu): Aussschlafen!
Das bedarf wohl keiner Erklärung…

お節料理 (おせちりょうり – o-sechi ryōri): Neujahrsessen
Da gibt es schon eher Erklärungsbedarf. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name „Essen zu einer ehrenwerten Gelegenheit“. Die Idee hinter お節料理 ist, dass die ersten Tage des Jahres auch für Hausfrauen (ja, ist eine alte Tradition) erholsam sein sollen, und nicht durch solch profane Tätigkeiten wie Kochen gestört werden sollen. Und so wurden eben vor dem Jahreswechsel verschiedene Sachen vorbereitet, die sich mehrere Tage halten. Außerdem hat natürlich (!!) jedes einzelne Gericht der お節料理 eine Bedeutung. Ein paar davon möchte ich gerne erklären, hier aber erstmal die ganze Pracht in Bildern:

Die さしみ (sashimi) oben gehören nicht traditionell zu お節料理, aber wir haben es uns mal richtig gut gehen lassen… Im Detail:

Ganz oben: 蒲鉾 (かまぼこ – kamaboko) ist gekochte Fischpaste, die auch im Rest des Jahres oft in japanischen Nudelgerichten (うどん, そば, …) zu finden ist. In den Farben rot (eher pink) und weiß findet sich wieder die schon mehrfach erwähnte Symbolik.

Unten rechts: 黒豆 (くろまめ, kuro-mame) sind schwarze Sojabohnen. Die Erklärung hier ist ein Wortspiel, da まめ auch „gesund“ und „fleißig“ bedeutet – also beides Sachen, die man sich im neuen Jahr erhofft. Eine andere Erklärung rührt von dem Wort 忠実忠実しい (まめまめしい – mamemameshii), das „gewissenhaft, pflichttreu“ bedeutet.

Links: 昆布 (こんぶ – konbu) ist das Seegras, mit dem die Basis der japanischen Küche angesetzt wird: だし, die Dashi-Brühe. Essen kann man Konbu auch, wenngleich Leute mit Schilddrüsenproblemen hier aufgrund des extrem hohen Jodgehalts vorsichtig sein sollten. Und es wartet wieder ein Wortspiel als Erklärung, denn das japanische Wort 喜ぶ (よろこぶ – yorokobu) bedeutet „sich freuen“ und wird in einer Deklination zu よろこんぶ (yorokonbu), was so ähnlich klingt wie 昆布.

Oben: えび, die kleinen Shrimps haben die im letzten Artikel im Zusammenhang mit しめ飾り (しめかざり – shimekazari) erwähnte Symbolik des hohen Alters.

Zugegeben, die Erklärungen für die restlichen Bestandteile sind mir mittlerweile wieder entfallen. Aber ich gebe mir nächstes Jahr mehr Mühe…

鏡餅 (かがみもち – kagami-mochi): Reiskuchen
Wörtlich übersetzt bedeutet der Name „Spiegel-Reiskuchen“, der wohl von der Form traditioneller Handspiegel aus dem 16. Jahrhundert herrührt. Mochi entsteht, wenn gekochter Reis gestampft wird. Das ergibt zunächst eine sehr zähe Masse, die, wenn erst einmal getrocknet, extrem hart wird. Die 鏡餅 bestehen aus zwei flachen Mochi-Kugeln (sind das dann noch Kugeln oder Sphäroiden?) und der im vorigen Artikel schon einmal vorgestellten Bitterorange 橙.
Die beiden Mochi-Kugeln symbolisieren das Kommen und Gehen, Sonne und Mond, Yin und Yang (nicht Japanisch, aber die generelle Idee gibt es hier auch) – also jeglichen Gegensatz.

お雑煮 (おぞうに – o-zōni): Mochisuppe
Dies ist eine klare Suppe mit einem Stück 餅 (もち – mochi), also dem zuvor erwähnten Reiskuchen. Dieser wird in der Suppe extrem weich und zäh, was jedes Jahr an Neujahr zu mehreren Erstickungstoden führt. Diesem (japanischen) Artikel zufolge gab es dieses Jahr alleine in Tokio 8 Erstickungsopfer zu beklagen. Ich habe mir sagen lassen, dass es sowohl hinsichtlich der Zubereitung der Suppe als auch der Form und Zubereitung des Mochi (roh oder leicht gegrillt) und der weiteren Einlagen regionale Unterschiede gibt.

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1 Kommentar

  1. Rose

    Ein feiner Bericht 🙂

    Für mich war es auch erstmal ein wenig komisch.. Das schreiben von Neujahrskarten ist ja nun ausgefallen und auch den 100 Glockenschlägen durfte ich nicht lauschen.. allerdings haben wir Hatsumode gemacht – in einem Tempel, denn Buddhistische Schreine darf ich ja auch erst ab Ende März wieder betreten..
    Wir haben allerdings vom Ausschlafen am Neujahrsmorgen ( und Geburtstag von meinem Männe) reichlich gebrauch gemacht 😉
    Osechi gab es dieses Jahr auch nicht – nächstes Jahr werde ich aber hoffentlich mehr Zeit haben und das dann selber machen..

    Alles Liebe – und auf ein frohes neues Blogger-jahr!

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