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Feb 22 2013

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Pizza, typisch deutsch

Nun, Pizza an sich ist ja nicht wirklich originär deutsch. Aber fast. Immerhin essen wir Deutschen viel und gerne (und gerne viel) davon. Außderdem ist Deutschland ja fast in Italien. Also, quasi so gut wie. Nah dran jedenfalls.

Ein genauer Blick auf den Flyer des Pizza-Lieferdienstes, den ich heute im Briefkasten gefunden habe, liess mich dann aber doch kurz stutzen. „KaniGerman“ steht da. Hmm, „kani“ (カニ) ist japanisch für „Krebs“. Also das Tier, nicht das Sternzeichen. Krebs kann man schließlich essen, wäre nach japanischer Logik also als Sternzeichen totale Verschwendung. Da gibt es eher exotisches Getier wie Schlange, Drache und Kaninchen. Ja, Kaninchen werden hier tatsächlich kaum (oder gar nicht?) gegessen. Etwas weiter westlich (China, Südostasien, …) sieht das schon wieder anders aus, da wird alles gegessen, ob Sternzeichen oder nicht. Aber ich schweife ab – zurück zu besagtem Wurfblatt.

„KaniGerman“ Pizza also: Deutsche Krebspizza. Hm, das macht stutzig! Mich jedenfalls. Sogar so sehr, dass ich den Drang verspüre, der Sache auf den Grund zu gehen. Also geschwind die ausführliche Zutatenliste lesen: カニ ist Krebs. Nicht typisch deutsch. Wie gesagt. エビ ist Krabbe. Gut, im Norden gibt es Nordseekrabben, aber bei エビ handelt es sich eher um das, was bei uns Shrimps sind. Also auch nicht klassisch deutsch. イカ ist Oktopus. Gibt’s in Deutschland höchstens in Ringform und frittiert. ポテト sind Kartoffeln. Aha! Die essen die Deutschen! Mal sehen… マヨネーズあえ bedeutet „in Mayo angemacht“. Wäre auch zu schön gewesen. Was noch? コーン, also Mais, マヨネーズ bedeutet noch mehr Mayo, und schließlich ホワイトソース, wörtlich „weiße Soße“. Letzteres ist sowas wie die japanische Alternative zur Tomatensoße auf der Pizza. Von Konsistenz und Geschmack am ehesten zu vergleichen mit Bechamelsauce. Also eigentlich sehr lecker!

Eigentlich sind alle Zutaten dieser Pizza sehr lecker. Nur, auf einer Pizza hat das meiste davon nichts zu suchen. Aber gut, an derlei Monstrositäten hat man sich nach fast zwei Jahren hier schon fast gewöhnt. Da schrecken einen auch die beiden anderen auf diesem Flyer beworbenen Kreationen nicht besonders: „Seafood Gratin“ und „ChickinCarbonara“ [sic!] Deren Zutatenlisten lesen sich übrigens auch abenteuerlichst. Auf der Gratin-Pizza wären da die bereits erwähnte weiße Soße, Krabben, Oktopus, Brokkoli, Penne (ja, die Nudeln…), Zwiebeln, Mais, Pilze, Bouillabaise und eine französische Kräutersoße namens Persillade. Die Carbonara-Pizza führt dagegen Zwiebeln, Pfefferhühnchen, Speck, Pilze, Carbonara-Soße (gibt’s die fertig?!), Petersilie, schwarzer Pfeffer und Parmesan ins Rennen. Und … na klar: weiße Soße!

Aber das alles lenkt eigentlich nur von dem eigentlichen Punkt ab, auf den ich mit diesem Artikel hinaus will. Muss ich mir als Deutscher auf den Schlips getreten fühlen, wenn in Japan eine Meeresfrüchtepizza als „Deutsche“ Pizza feilgeboten wird, nur weil auch Kartoffeln drauf sind? Angeblich! Ganz ehrlich, auf dem Foto sehe ich nichts Knollenfrucht-ähnliches.

Aber hey, für ca. 10 Euro eine „Ssize“-Pizza (Mir fehlt da nicht nur ein Leerzeichen, sondern auch eine cm-Angabe. Spießer!) ist das doch ein super Deal! Oder doch lieber die „Lsize“ für knapp 30 Euro? Da haben sie wohl in den Zutatenlisten den Goldstaub vergessen zu erwähnen… Leider ist Pizza in Japan immer so teuer. Oder ungenießbar. Oder beides. Naja, immerhin ist dieser Flyer gleichzeitig ein Cupon, der mir zwei der besagten Kreationen als „Msize“ Pizzen für nur 25 Euro beschert. Das muss man doch fast ausnutzen! Ganz unter uns muss ich ohnehin gestehen, dass ich diese japanischen Pizza-Abarten ziemlich lecker finde. Klar sind ja auch Kartoffeln drauf…

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2 Kommentare

  1. martin

    Sehr interessant! Unser Sohn wohnt seit einem Jahr in Nagaoka

  2. coolio

    Also die Pizza Carbonara lasse ich ja noch so grad durchgehen,
    aber alle anderen = Würg! Trotzdem, viel zu teuer.
    Für 5-6 Euro mach ich mir ein komplettes Backblech voll
    mit allerfeinst belegter Pizza. Und ja: Ich habe einen grossen Backofen.

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