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Aug 09 2013

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Stell‘ dir vor es ist Erdbeben, und nichts passiert…

Ich war diese Woche auf einer Konferenz in Kyoto unterwegs. Im Rahmen dieser Konferenz gab es natürlich (wie es sich für ordentliche Geographen gehört) auch diverse Exkursionen. Auf einer solchen Exkursion waren wir gestern mit einer recht internationalen Gruppe im Großraum Kyoto-Osaka-Kobe unterwegs. Für viele der Teilnehmer war es der erste Besuch in Japan oder sogar generell in einem Land, in dem Erdbeben nicht ungewöhnlich sind.

Wir waren gerade mit der Besichtigung des 住吉大社 (すみよしたいしゃ – sumiyoshi taisha) Sumiyoshi Taisha Schreins fertig und mit der 阪堺電気起動 (阪堺電気起動 – hankai denki kidō) Hankai Tramway (übrigens eine der ältesten noch in Betrieb befindlichen elektrischen Straßenbahnen Japans, die dieses Jahr ihren 100. Geburtstag feiert) unterwegs in Richtung えびす町 (えびすちょう – Ebisu-chō), um uns u.a. den 通天閣 (つうてんかく – Tsūtenkaku) anzusehen, als bei allen japanischen Teilnehmern (dazu zähle ich mich jetzt auch einfach mal…) der Erdbebenalarm am Handy losging. Auf die interessierten Nachfragen der internationalen Kollegen haben wir ihnen kurz erklärt, dass das das japanische Erdbebenfrühwarnsystem ist, und wohl bald die Erde wackeln würde. Ein genauerer Blick auf’s Display hat uns dann aber auch aufmerken lassen: Ein Erdbeben der Stärke 7 auf der japanischen Skala (also schon gut stark) gleich um die Ecke in der Präfektur Nara!


Spannend war dann allerdings, dass wir nichts, aber auch wirklich gar nichts gespürt haben. Wir haben es auf den wackeligen Zug geschoben, in dem wir uns zu dem Zeitpunkt befanden, aber ein derart starkes Erdbeben hätte man eigentlich trotzdem mitbekommen müssen… Umso mysteriöser wurde die Sache dann, als ich versuchte, auf den Webseiten des japanischen Wetterdienstes 気象庁 (きしょうちょう – kishō-chō) (der kümmert sich auch um Erdbebenprognosen und dergleichen), als auch auf der Website der US Erdbebenwarte USGS nach der Richter-Magnitude zu suchen. Nichts! Das Erdbeben tauchte in keiner der beiden Datenbanken auf! Und das auch nach einer guten halben Stunde noch nicht. Das war schon sehr ungewöhnlich, zumal bei einem Erdbeben dieser Stärke…

Wir waren dann aber anderweitig beschäftigt, und es gab noch viele weitere interessante Dinge auf unserer Exkursion zu entdecken. Nach einem ausgiebigen Abendessen fragte mich dann nochmal einer der amerikanischen Kollegen, ob es inzwischen Informationen zu diesem Geister-Beben gebe. Leider nein… Die Rückfahrt von Osaka nach Kyoto habe ich dann genutzt, um im Internet nach Informationen zu suchen. Eine Bekannte auf Facebook wies mich dann in die richtige Richtung, dass es sich dabei wohl um einen Fehlalarm gehandelt hatte.

Ein Artikel in der Online-Ausgabe der 日経新聞 (にっけいしんぶん – nikkei shinbun) hat es dann bestätigt: es gab kein Erdbeben, der Alarm war eine Falschmeldung… Heute früh habe ich dann in den Nachrichten einen kurzen Bericht dazu gesehen, in dem die Erdbebenwarte versucht hat zu erklären, was passiert war. Wenn ich es richtig verstanden habe, gab es wohl doch ein Beben, genauer gesagt sogar zwei. Allerdings sehr kleine (M2.1 und M3). Dafür aber fast gleichzeitig. Deren seismischen Wellen haben sich wohl derart überlagert, dass die Sensoren in der fraglichen Region glaubten, ein Erdbeben der Stärke M7.8 gemessen zu haben, und in der Folge Alarm geschlagen haben.

Das ist zwar suboptimal (in dem o.g. Artikel findet sich auch ein Bild von der öffentlichen Entschuldigung des Herrn von der Erdbebenwarte), aber ich persönlich werde lieber einmal zuviel und umsonst gewarnt als einmal zu wenig. Und für unsere internationalen Besucher war es auch ein spannendes Erlebnis…

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://blog.nihonnikonni.com/2013/08/09/stell-dir-vor-es-ist-erdbeben-und-nichts-passiert/

2 Kommentare

  1. Tabibito

    Ein Erdbeben der Stärke 7 auf der japanischen Skala (also schon gut stark)

    Gut stark ist gut. Stärker als 7 geht nicht laut japanischer Skala. Habe bisher erst ein Mal eine 7 auf japanischen Erdbebenkarten gesehen – beim Tōhoku-Beben in vereinzelten Orten in Iwate.
    Bei uns in Tokyo haben auch alle Handys gefiept, und wir haben dementsprechend auch gewartet. Naja, lieber ein falscher Alarm als…

  2. Konni

    Inzwischen gibt es eine neue „Theorie“, was da los war: Der 奈良大仏 (ならだいぶつ, Nara dai-butsu), also die große Buddhastatue in Nara (südlich von Kyoto) soll angeblich das Erdbeben aufgehalten respektive neutralisiert haben: http://www.tofugu.com/2013/08/23/giant-buddha-statue-stops-7-8-earthquake/ ;o)

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