[{"id":963,"date":"2014-12-17T13:22:32","date_gmt":"2014-12-17T12:22:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.nihonnikonni.com\/?p=963"},"modified":"2014-12-17T13:22:32","modified_gmt":"2014-12-17T12:22:32","slug":"100-tage-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.nihonnikonni.com\/2014\/12\/17\/100-tage-in-deutschland\/","title":{"rendered":"100 Tage in Deutschland"},"content":{"rendered":"
Wenn ich mich (bzw. sich diese Website<\/a>) nicht verrechnet habe\/hat, dann bin ich mit dem heutigen Tage exakt seit 100 Tagen wieder in Deutschland. Ich hatte in meinem letzten Artikel<\/a> ja schon erw\u00e4hnt, dass meine Zeit in Japan sich leider dem Ende n\u00e4hern w\u00fcrde und auch ein paar Worte zum wie und warum verloren.<\/p>\n Im Wesentlichen standen wir nach dem erfolgreichen Abschluss meiner Promotion und der zwar sehr japanischen, aber dennoch feierlichen und sch\u00f6nen Abschlussfeier am 25. Juli (s. Bilder unten) vor der Entscheidung: bleiben wir in Japan, oder gehen wir nach Deutschland? Andere Ziele hatten wir zu dem Zeitpunkt erst einmal ausgeschlossen, weil es sich mit unseren spezialisierten Sprachkenntnissen in Deutsch und Japanisch eben so am ehesten anbietet. Nat\u00fcrlich sprechen wir beide auch Englisch, aber da meine Frau so viel Zeit und M\u00fche (und Geld…) in’s Deutschlernen investiert hatte, w\u00e4re es d\u00e4mlich, beispielsweise in die USA zu gehen, wo sie all ihr Deutsch und ich all mein Japanisch verlerne…<\/p>\n Die Abschlussfeier selbst bestand \u00fcbrigens Nun aber zur\u00fcck zum eigentlichen Thema dieses Artikels: Meine ersten 100 Tage in Deutschland. Ich hatte ja nach meinem Umzug nach Japan ebenfalls ein Res\u00fcmee der ersten 100 Tage geschrieben, damals sogar in zwei Teilen hier<\/a> und hier<\/a>. Ich hatte \u00fcberlegt, dieses neue Res\u00fcmee als Liste \u00e0 la „das war besser in Japan – das ist besser in Deutschland“ zu machen, aber irgendwie ist es albern und auch unfair, das so zu vergleichen. Denn das Leben in Japan und in Deutschland unterscheidet sich schon sehr gravierend! Gut, in Japan war ich „nur“ Student, hatte also ein recht flexibles Leben und konnte meine Zeit im Wesentlichen selbst gestalten. Hier in Deutschland bin ich jetzt in einem festen Anstellungsverh\u00e4ltnis, zwar mit Gleitzeitregelung, aber dank Kernarbeitszeit von 9 bis 15 Uhr muss ich eben doch jeden Tag um halb acht raus… In Japan habe ich mehr oder weniger alleine vor mich hin gearbeitet, mit freier Zeiteinteilung und Pensums-Gestaltung, hier bin ich in mehrere Teams eingegliedert, muss mich nicht nur an deren Arbeitsrhythmus und -tempo (Meetings im Wochen-, 2-Wochen-, oder Monatsrhythmus) orientieren, sondern auch nach festgeschriebenen Projektpl\u00e4nen arbeiten, Deadlines einhalten und Meilensteine erreichen… In Japan war ich im Wesentlichen mein eigener Chef und nur mir selbst (und meinem Doktorvater und eventuellen Projektleitern) Rechenschaft schuldig, hier bin ich in eine Vielzahl von Hierarchien eingegliedert, sowohl nach oben, als auch nach unten, da ich selbst sowohl Teilprojektleitungsaufgaben \u00fcbernehme, als auch ein paar Mitarbeiter … nicht unter mir, aber in meinen Diensten. Was ich eigentlich sagen will: Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, meinen Alltag in Japan mit dem hier zu vergleichen.<\/p>\n Es gibt aber nat\u00fcrlich durchaus einiges hier in Deutschland, konkreter in Berlin, was mir nach dreieinhalb Jahren Japan auff\u00e4llt – sowohl positiv als auch negativ.<\/p>\n Das erste ist vielleicht mal die Sauberkeit. Beziehungsweise hier in Berlin eher deren Abwesenheit, vulgo „der Dreck“. In der Hinsicht ist Berlin vielleicht extrem, aber ich fand es wirklich die ersten Tage und Wochen ein bisschen schwierig, mich damit zu arrangieren. \u00dcberall liegt M\u00fcll herum, oft auch Glasscherben, es wird dauernd auf den Boden gespuckt, Zigaretten einfach fallen gelassen, und die Gehsteige gleichen Minenfeldern mit ihren Hundehaufen. Dazu kommt dann noch das allgemein ein bisschen sch\u00e4big daher kommende Stadtbild, mit verfallenen H\u00e4usern, kaputten Gehwegen und so weiter, das bei mir auch bis zum heutigen Tag kein wirkliches Wohlf\u00fchl-Gef\u00fchl hat aufkommen lassen. Interessanterweise war ich vor kurzem f\u00fcr einen Termin beim Bundesumweltministerium am Potsdamer Platz, und die dortige Architektur (OK, eigentlich nur der Treppenaufgang vom Sperrengeschoss zur Oberfl\u00e4che) hat mich irgendwie ein bisschen an die recht sterile Optik in \u014ctemachi erinnert…<\/p>\n Das zweite, allerdings unmittelbar sowohl mit dem Thema Schmutz als auch mit dem Thema Wohlf\u00fchlen verbunden, sind die Leute. In Japan ist es beispielsweise in Z\u00fcgen extrem still. Man fl\u00fcstert miteinander, starrt auf sein Smartphone oder die mobile Spielkonsole, oder schl\u00e4ft. (Kleinere Randgruppen schminken oder rasieren sich auch gerne mal…) In Berlin dagegen ist immer was los, alle unterhalten sich lautstark, sei es mit dem Nebenmann oder am Handy. Es wird gemosert, gemeckert, gedr\u00e4ngelt und gequetscht – vor allem beim Ein- und Aussteigen. Ein Verhalten wie in Japan, wo man sich auf dem Bahnhof (zugegeben mehr oder weniger) ordentlich in einer Reihe neben (!) der T\u00fcr anstellt, und wer zuerst da war, und also am l\u00e4ngsten wartet, zuerst einsteigt und sich einen Platz sucht, ist hier vollkommen undenkbar. Eigentlich schade, denn dieses geordnete Verhalten macht das Bus- und Bahnfahren nicht nur insgesamt angenehmer sondern auch effizienter, weil es an den Haltestellen Zeit spart…<\/p>\n Was ich hier in Deutschland, und auch da nimmt Berlin eine Sonderstellung ein, wiederum sehr angenehm finde, ist der doch recht lockere und ungezwungene Umgang oft wildfremder Menschen miteinander. Sei es auf der Stra\u00dfe, im Treppenhaus, oder sogar bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen – es bietet sich eigentlich immer eine Gelegenheit f\u00fcr ein kurzes Schw\u00e4tzchen. Sowas geht in Japan gar nicht, da h\u00e4tte ich mir oft ein bisschen weniger Stock im Ar*** und Entspanntheit gew\u00fcnscht.<\/p>\n Wo wir gerade bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen sind: Fr\u00fcher hatte ich ja immer gedacht, die deutsche B\u00fcrokratie sei die schlimmste. Bis ich nach Japan kam. Dort ist alles zu Tode organisiert und b\u00fcrokratisiert – nur leider oft nicht sehr logisch, daf\u00fcr meistens redundant und, genau: Papier-basiert! So hatte ich also gro\u00dfe Erwartungen, als ich nach Berlin kam, und war sehr erfreut, dass man beispielsweise Termine beim B\u00fcrgerb\u00fcro hier auch online vereinbaren kann. Allerdings war meine Entt\u00e4uschung gro\u00df, als ich gemerkt habe, dass es dar\u00fcber Termine nur ca. 6 Wochen im Voraus gibt! Wenn man dann parallel dazu bedenkt, dass eine Anmeldung am neuen Wohnort innerhalb von 2 Wochen erfolgen muss, kommt man schon in Probleme. „Nee, d\u00fct is keen Problem! D\u00fct is ja nur ne Ordnungswiedrichkeit, da machen se sich ma keene Sorgen, wa!“ wurde mir im B\u00fcrgerb\u00fcro in breitestem Berlinerisch entgegengequakt als ich mir erlaubte, dort auf diesen Sachverhalt hinzuweisen…<\/p>\n Und \u00fcberhaupt: Der Berliner Dialekt und auch die typisch schnodderigen Berliner Umgangsformen machen mir (und erst meiner Frau!) zu schaffen. Ich hatte Berlinerisch meiner Frau gegen\u00fcber mal als das Deutsche Chinesisch beschrieben, nicht weil es so unverst\u00e4ndlich ist, sondern weil es, egal was gesagt wird, immer aggressiv und nach Streit klingt – genau wie (in meinen Ohren) Chinesisch. Nichtsdestotrotz schleichen sich auch bei mir schon erste Berlinerische T\u00f6ne ein, beispielsweise sage ich inzwischen tats\u00e4chlich „Br\u00f6tchen“ zu Semmeln. Noch richtiger w\u00e4re hier eigentlich „Schrippe“, aber so weit m\u00f6chte ich dann noch nicht gehen.<\/p>\n Ich k\u00f6nnte noch viele viele weitere Beispiele anbringen, von relativ flexibel gestaltbaren Mittagspausen und absoluten Freiheiten bei der Urlaubsplanung (beides f\u00fcr meine Frau unvorstellbar!), \u00fcber die ber\u00fchmte Berliner S-Bahn, aber vielleicht mache ich daraus irgendwann mal einen zweiten Teil… Viel lieber m\u00f6chte ich an dieser Stelle kurz noch ein paar Worte dazu verlieren, wie es mit diesem Blog hier weitergehen wird. „Nihon-ni Konni“ also „Koni in\/nach Japan“ stimmt als Motto ja nun nicht mehr so ganz, aber mir ist kein wirklich guter alternativer Name eingefallen, und so belasse ich es bis auf weiteres erstmal dabei. Inhaltlich kann ich derzeit nat\u00fcrlich wenig \u00fcber die T\u00fccken des Lebens in Japan schreiben, und f\u00fcr ein deutschsprachiges Publikum ist das Leben in Berlin nicht wirklich interessant. F\u00fcr alle des Japanischen m\u00e4chtigen Mitlesenden darf ich an dieser Stelle vielleicht Werbung f\u00fcr das Blog meiner Frau hinweisen, die jetzt quasi den Staffelstab \u00fcbernommen hat, und auf ihrem Blog „Hello Cupcake!“<\/a> vom Leben in Berlin erz\u00e4hlt. Hier werde ich auf jeden Fall wieder etwas ver\u00f6ffentlichen, wenn wir zu Besuch in Japan sind (was hoffentlich mindestens einmal pro Jahr der Fall sein wird), oder wenn mir sonst irgendetwas einf\u00e4llt, was hierhin passen k\u00f6nnte. Wir spielen uns auch durchaus mit dem Gedanken, hin und wieder ein Video-Blog zu machen, das werden wir dann wohl auf beiden Plattformen hochladen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Wenn ich mich (bzw. sich diese Website) nicht verrechnet habe\/hat, dann bin ich mit dem heutigen Tage exakt seit 100 Tagen wieder in Deutschland. 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\n <\/a>\n <\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div> \n\t\t\t\n \n\t\t\n\t\t\n\thaupts\u00e4chlich<\/del> ausschlie\u00dflich aus einigen Reden (ein Muss in Japan…) und der seeeehr langwierigen Vergabe der Zeugnisse an die Absolventen. Eigentlich endet das Schul-, also auch das akademische Jahr in Japan im M\u00e4rz, der Gro\u00dfteil der Studenten feiert also auch dann ihren Abschluss. Da kann nat\u00fcrlich nicht im Rahmen der Universit\u00e4ts-weiten Abschlussfeier jedem Absolventen einzeln das Zeugnis in die Hand gedr\u00fcckt werden. Deswegen gibt es im Fr\u00fchjahr immer mehrere Feiern (nat\u00fcrlich alle am gleichen Tag!): Eine Universit\u00e4ts-weite, eine pro Department, und dann noch eine pro Institut. Die meisten Studenten bekommen ihr Zeugnis auf dieser letzten und kleinsten Feier, meist vom Institutsleiter. Auf den beiden anderen Feiern bekommen nur besondere Abgesandte (jap. \u4ee3\u8868, \u3060\u3044\u3072\u3087\u3046, daihy\u014d) der Institute und Departments ihre Zeugnisse vom Leiter des Departments bzw. sogar vom Pr\u00e4sidenten der Uni. In meinem Fall, also aufgrund des au\u00dferturnusm\u00e4\u00dfigen Termins, gab es nur zwei Teile: Die meisten Studenten bekamen ihre Zeugnisse vom jeweiligen Leiter des Departments, einige ausgew\u00e4hlte (bzw. nominierte) vom Pr\u00e4sidenten der Uni. Ich hatte, warum auch immer, die Ehre, mein Department zu vertreten, und habe so also meine Doktorurkunde aus den H\u00e4nden des Pr\u00e4sidenten bekommen – durchaus eine Ehre! Damit nicht genug, wurde mir nach der offiziellen Zeremonie noch im kleinen Rahmen vom Leiter des Departments ein Preis verliehen: „Award for Exceptional Achievements in the Advancement of Spatial Information Science“.<\/p>\n